Ziele im Unterricht und im Leben

Ziele.

Ziele im Sport. Ziele im Beruf und in der Karriere. Große Lebensziele: Hausbauen, Kinderkriegen, Heiraten – wie auch immer die Reihenfolge dafür sein mag. Ziele waren für mich mit Skepsis verbunden, denn das Ausformulieren eines klaren (Lebens-)Zieles hat(te) für mich etwas Endgültiges, dem ich mich nicht hingeben wollte. Auch die Ziele meiner gleichaltrigen (Schul-)Freunde verunsicherten mich, denn sie stimmten nur selten mit meiner inneren Ausrichtung überein.

Lernziele.

Dann kamen die Lernziele in meiner Arbeit als Sprachtrainerin für Deutsch als Fremdsprache (kurz: DaF). Dann kamen die Unternehmensziele als Leiterin einer Sprachschule. Nun begann ich die Bedeutung zu erahnen: Ziele schenken Ausrichtung und einen klaren Kurs. Und wenn mal der Kurs festliegt, vereinfachen sich alle weiteren Bewegungen und es wird leichter. (Außer bei den Unternehmenszielen, die an finanziellen Druck gebunden sind).

Meine Kursteilnehmer:innen und Schüler:innen waren motivierter, wenn sie am Ende der Stunde, am Ende des Kapitels oder des Kurses tatsächlich ihr zuvor gefasstes Lernziel erreicht hatten. Sie waren aber bereits vor Ende dieser Etappen zufriedener, denn alle Einzelschritte hin zum großen Ziel schienen Wegbereiter und daher unerlässlich zu sein.

Als ich nachträglich eine umfangreiche Ausbildung zur DaF-Sprachtrainerin durchlief, erfuhr ich, wie und wann Lernziele im Unterricht präsentiert werden sollten. Am besten gleich zu Anfang als Einstimmung, um die Teilnehmer:innen über die folgende Ausrichtung der Unterrichtsstunde zu informieren und damit bewusst in den Ablauf aufzunehmen. Dabei verwendete ich einen Tafelanschrieb, der bestenfalls über die Dauer der Stunde sichtbar blieb. Die Verben „können – wissen – kennen“ umschreiben dabei greifbar, welcher Wissenszuwachs für die Teilnehmer:innen geplant und erreichbar ist.

Am Ende der Stunde… kann ich von meinem Sommerurlaub im Perfekt erzählen und benutze dafür mindestens 5 neue Partizipformen. / …weiß ich, wie man Weihnachten in Österreich feiert./ …kenne ich 3 Möglichkeiten, um ein Gespräch mit einem Arbeitskollegen zu beginnen.

Das Spannende in der Aufstellung der Lernziele ist für die Lehrkraft, dass sie vom Ziel rückläufig auf die Einzelschritte schließt. Zum Beispiel: Heute plane ich, dass meine Teilnehmer:innen am Ende der Stunde von ihrem Sommerurlaub berichten können.

  • Was braucht es dazu? Sie brauchen thematisch verknüpfte Vokabeln oder Chunks (Zusammenschließung von Begriffen, die gemeinsam eine Einheit bilden).
  • Wie erreichen sie dieses Ziel am effektivsten? Sie brauchen Sprech-Vorbilder bspw. einen Hörbeitrag oder gar ein Video?
  • Welche Strukturen müssen sie erlernen oder auffrischen, um das Ziel erreichen zu können? Das Perfekt sollte wiederholt werden, unregelmäßige Verbformen sollten erarbeitet werden, etc… 

Aus diesen rückläufigen Überlegungen entsteht wie durch Zauberhand eine wunderbar durchdachte Unterrichtsstunde, die die Teilnehmer:innen – wenn sie tatsächlich wunderbar ist – an die Hand nimmt und sicher zum Ziel führt.

Wenn man weiß, wohin man will, weiß man welche Schritte man gehen kann.

Lebensziele.

In der Psychologie wurde ich erstmals als Jugendliche mit den Begriffen Nahziel und Fernziel konfrontiert und ob ich denn welche hätte. Eigentlich nicht. Denn, das Leben passiert doch einfach so, oder kann ich etwa MEIN Leben in die Hand nehmen und selbst lenken? Diese anfangs vage Vermutung wurde mit meinen zunehmenden Lebensjahren eine immer fester werdende Überzeugung. Noch vor ein paar Jahren dachte ich, das Leben passiert mir nur und ich muss hintennach eilen und das Beste daraus machen.

Heute offenbart sich mir immer stärker, dass ich aktive Gestalterin meines Lebens bin und das das nicht bedeutet, dass ich mich blindlings in Abenteuer stürze, einen Porsche kaufe, ein Haus mit Pool errichte und mich über Mitmenschen hinweg setze. Nein, Größenwahn hat nichts mit Lebensgestaltung zu tun. Vielmehr ist es eine innere Einstellung dem Leben gegenüber: Ja, ich bin bemächtigt. Ich habe Einfluss auf mich, meine Gefühle, Gedanken, mein Handeln und damit bewirke ich unweigerlich auch etwas im Leben meiner Mitmenschen. Egal ob es ein Lächeln, eine Geste oder gar ein missmutiges Wort ist: Es entsteht eine Kettenreaktion, die sich von Mensch zu Mensch weiterträgt.

Ich darf mir Ziele stecken, die meinem Leben eine Ausrichtung schenken. Ich darf meine Ziele immer wieder überprüfen, ob sie für mich stimmen, ob sie sich oder ich mich verändert haben.

(Persönliche) Ziele sind wie das Salz in der Suppe.

Als ich noch eher passiv meinem Leben beim Entstehen zusah, war ich wie ohnmächtig. Ich redete mir die Umstände in meinem Leben schön. Die Veränderungen im Job und alles, was sie in meinem Leben bedingten. Aber was und wohin wollte ICH eigentlich? Im Urlaub, nachts und am Wochenende nur an die Arbeit denken? Immer abrufbar sein? Für alles verantwortlich sein? Das Bindeglied zwischen Kund:inn:en, Vorgesetzten und Mitarbeiter:inne:n sein? Nö. Da geht mehr.

Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Meine Lebensziele habe ich auf einem bunten Visionboard mit wunderbaren Bildern auf dem Computer sichtbar gemacht und trage sie nun als Desktophintergrund sowohl auf dem Laptop als auch auf dem Handy mit mir täglich herum.

Visionboard vs. verschriftlichte Ziele: Im Gegensatz zu den Lernzielen, die bestenfalls mit den Verben „kennen, können, wissen“ und mit Zahlen ausformuliert werden (Du erinnerst dich „mindestens 5 neue Partizipformen“ und „3 Möglichkeiten um ein Gespräch zu beginnen“, etc.), wirken Bilder mit einer anderen Kraft.
Habe ich das heutige Lernziel erreicht? Lernziele sollen messbar, objektiv sein und für den/die Teilnehmer:in unmittelbar nachvollziehbar sein. Lernziele kommen auch von außen. Denn es ist das Kursbuch, das Curriculum, das Programm des (Sprach-)Kurses, die das Tempo und den Inhalt vorgeben. Je stärker man persönliche Lernziele der Teilnehmer:innen in den Ablauf einbauen kann, desto erfolgreicher wird der Kurs. Dazu schreibe ich gerne noch Näheres in einem kommenden Blogartikel.

Ein Visionboard setzt dort an, wo noch Worte fehlen können. Ein Bild fängt mit seinem Fokus, seinen Farben und Akzenten Nuancen einer Stimmung ein, die nur schwer auf Papier zu bringen wären. Lebensziele werden uns von der Gesellschaft indirekt direkt vermittelt. Mit 30 muss man Karriere gemacht haben und geheiratet haben… Das erste Kind soll man mit ?? Jahren haben… Heiraten, Hausbauen, Kinderkriegen habe ich in meinem ländlichen Umfeld als Standard wahrgenommen. Aber im Grunde gibt es mannigfache Lebensformen.

Meditation für die innere Ausrichtung

Es gibt unzählige Lebensformen und Lebensziele. Wie findet man das eigene?
Es schlummert bereits in dir. In dir ist ein Kompass, der dir den Weg zeigt. Um ihn lesen zu können, braucht es Verbundenheit zu dir selbst.

Für manche ist es die Meditation, wie man sie sich klassisch vorstellt. Für andere ist es das Stillwerden jeden Morgen fünf Minuten lang, bevor der Tagestrubel losgeht. Das Staunen vor einer Blume, ein achtsamer Moment beim Spaziergang. das Auspowern beim Sport und die nachträgliche Besinnung. Kurzum: manche erreichen ihre innere Stimme über körperliche Erfahrung, andere über geistige Einkehr.

Und wie eine Blüte, die sich öffnet, wie ein Roman, der sich auf ein einziges Wort reduziert, wie eine Erinnerung an etwas Verborgenes findest du über die Zeit die Antworten, die du im Äußeren so lange gesucht hast – IN DIR.

In der Verbindung zu dir wirst du so deine Lebensziele erspüren.

Sei gut zu dir,
Daniela.

Schreib mir gern von deinen Eindrücken unter ciao@danielahell.com