Einblick in den Unterricht: Bildgeschichte!

Was ist eine Bildgeschichte?

Eine Bildgeschichte besteht aus einem bzw. nur wenigen Bildern und keinem oder nur wenig Text.
Einige Bildgeschichten haben eine Überschrift, die hilft, die noch wortlose Geschichte in einen Kontext zu setzen. Ebenso kann eine beigefügte Liste von relevanten Begriffen den Deutschlernenden helfen, die Geschichte in Worte zu übersetzen.


3 Vorteile von Bildgeschichten für das Deutschlernen

Die drei Vorteile, die ich im Folgenden aufzähle, sind das Ergebnis der vorbereitenden Übungen, die ich in der Arbeit mit meinen Schüler:innen einsetze. Es kommt hier also – wie sehr oft im Leben – darauf an, wie die Bildgeschichte vorgestellt bzw. eingeführt wird, damit die Lernenden den maximalen Gewinn an Lernerfolg und Freude am Lernen ziehen können. Dazu aber mehr im nächsten Punkt. Hier erstmal die Vorzüge, die ich immer wieder bei meinen Schüler:innen jeden Alters bemerken kann:

  1. Der Lernende verspürt ein echtes Kommunikationsbedürfnis.
    Ein unheimlich wichtiger Aspekt! Viel zu oft, ist es für die Lernenden nicht die Dringlichkeit, etwas ausdrücken zu wollen, sondern die Vernunft, die sie dazu anleitet, etwas in der Fremdsprache zu sagen, damit etwas gesagt wird. Mit einer ansprechenden Bildgeschichte hingegen, ist der Rahmen der Handlung bereits gesetzt. Es verhält sich also ähnlich wie bei einem Rollenspiel: Die Vorgabe ist da, es geht darum, sie zum Leben zu erwecken. Und da der Inhalt so offensichtlich vorliegt, ist der Lernende umso mehr bemüht, ihn in passende Worte zu setzen.
  2. Der Lernende ist emotional eingebunden. 
    Lernen gelingt, wenn die Sinne eingebunden sind, wenn es einen Bezug zur eigenen Erfahrungswelt hat und wenn es Emotionen weckt. Das kann eine Bildgeschichte durchaus schaffen. Im Anschluss schildere ich, wie das klappt.
  3. Der Lernende ist motiviert. 
    Sogar die schreibfaulsten Lernenden packen geschwind den Stift und malen die Geschichte mit Sätzen aus. Motivation ist ebenso ein hohes Gut im Fremdsprachenunterricht und unterliegt vielen Faktoren: Tagesverfassung, Erreichbarkeit des gesetzten Zieles, Lernfortschritt und anderes mehr. Die Bildgeschichte schafft es, dem Lernenden nach kurzer Bearbeitungszeit ein Endprodukt vorzulegen: Eine vollständige Geschichte: mit Bild und Text.


3 Schritte, um eine Bildgeschichte einzusetzen

Von wenig zu mehr, über Vermutung zum Bild und weiter zur Fantasie. Es ist für mich immer wieder beeindruckend zu sehen, wie sehr das Ergebnis von der Herangehensweise abhängt und wie unterschiedliche Wege zu einem unterschiedlichen Ergebnis führen können. Hier möchte ich einen Weg beschreiben, den ich zuletzt mit Erfolg eingesetzt habe:

Schritt 1: Vermutungen zur Überschrift anstellen lassen.

Schritt 2: erste 2 Bilder (auch eine eventuelle Wortliste) ansehen lassen und mit den zuvor geäußerten Vermutungen abgleichen. Die relevanten Figuren vom Lernenden äußerlich beschreiben lassen und sie dazu anregen, für die Figuren auch eine umfassende Biografie zu erfinden. (siehe auch: Bildgeschichte mit nur einem Bild).

Schritt 3: die gesamte Bildgeschichte zeigen und – nach Möglichkeit – umkommentiert direkt ins Schreiben übergehen. Unbedingt festlegen, wie viele Sätze (2 bis 3 Sätze im Unterricht sind überschaubar und zielführend) pro Bild geschrieben werden sollen.


Quellen für gute Bildgeschichten

Überzeugt und Lust mal im Unterricht oder auch zum Selbstlernen auszuprobieren? Hier sind meine Quellen für tolle Bildgeschichten:

  • Der Klassiker: Vater und Sohn. 

Kurzweilige, pointierte und nie banale Geschichten. Du findest einen Sammelband beispielsweise hier und wirst staunen, wie viel sie für den kommunikativen Unterricht hergeben!

  • Eine umfangreiche Sammlung im Internet. 

Bei den Kollegen von deutschalsfremdsprache.ch bin ich auf eine lange Liste mit Arbeitsblättern gestoßen, die hier sofort Zugang zu einer Vielzahl von Bildgeschichten gibt. (Auch Vater und Sohn sind dabei).

  • Jede Zeitschrift oder gar das für den Unterricht verwendete Lehrwerk!
    Wie das gemeint ist, erkläre ich im nächsten Punkt!


Schon ein Bild ist eine komplette Bildgeschichte!

Im Unterricht heißt es oft improvisieren und der vorgefertigte Unterrichtsplan muss schnell überdacht und abgeändert werden. Daher liebe ich schnelle und nützliche Lückenfüller, denen man das gar nicht ansieht! So ein Beispiel ist die Bildgeschichte aus nur einem Bild.

Wie wäre es bspw. auf Niveau A1 das Titelbild des Lehrwerks nach jedem abgeschlossenen Kapitel einzusetzen. Meist prangt auf dem Titelbild eine lachende (deutsch sprechende) Person. Aber… wie heißt sie eigentlich? Wo wohnt sie? Ist er/sie verheiratet oder gar wieder getrennt? Was macht er/sie immer am Wochenende und was mag er/sie gar nicht gern?

Ich verstecke nicht, dass die Lernenden anfangs recht verdutzt sind. Was sollen sie auch auf meine Frage: „Wie heißt die Person?“ sagen? Na, woher sollen sie es denn wissen?! Aber bald entdecken sie den Witz und die Fantasie hinter dieser Aufgabenstellung und erfinden eine wagemutige Biografie zur anfangs noch anonym lachenden Person auf ihrem Deutschlehrwerk. Und plötzlich ist das Franz, der mit 18 nach Wien gezogen ist, um dort zu studieren und sich an der Uni in seine Frau verliebt hat, mit der er heute jeden Abend eine Runde mit ihrem gemeinsamen Hund spazieren geht.

Wunderbar!

Und damit sind wir alle mit den Emotionen voll dabei und alle Inhalte, die mit Emotionen, Konzentration und Motivation durchgenommen werden, bleiben viel länger und viel einfacher im Gedächtnis hängen.

 


  • Was ist deine Meinung zum Thema Bildgeschichte?
  • Hast du schon mal eine bearbeitet?
  • Oder gar im eigenen Unterricht eingesetzt?

Schreib mir gerne und hab noch einen schönen Tag!

Daniela